Wenn ich erzähle dass ich mit Rastern arbeite, kommt oft die gleiche Reaktion: „Aber du bist doch die mit dem Punk-Ding?“ Als wären Regeln und Haltung ein Widerspruch. Für mich war das noch nie einer.
Das Missverständnis
Punk wird gern mit Chaos verwechselt. Dabei ist Punk eher: genau wissen, wogegen man ist, und trotzdem etwas bauen das hält. Drei Akkorde reichen, wenn du weißt welche drei. Mit dem Raster ist es dasselbe, es nutzt mir erst wenn ich weiß, wofür ich es hingelegt habe.
Am Basteltisch, im Zine, später im Layout, immer derselbe Ablauf: erst die Linie ziehen und dann entscheiden, wo sie überschritten wird. Wenn keine Linie da ist, ist das Überschreiten nur Zufall.
Bei mir kommt die Ordnung zuerst und der Krach danach.
Warum das Raster bleibt
Für mich ist ein Raster ein Sparringspartner. Es zeigt mir wo die Ruhe hingehört, und erst dadurch weiß ich, wo ich sie rausnehmen kann, damit es am Ende wirkt und nicht bloß wild aussieht. Ohne Raster sieht den Bruch keiner mehr, weil er dann einfach der Normalzustand ist. Und am Normalzustand läuft jeder vorbei.
Deshalb sitzen meine Layouts auf sauberen Spalten, bevor eine Schlagzeile schief drüberkippt. Und es gibt einen Farbcode, bevor die eine Fläche knallt, die alles andere aus dem Gleichgewicht bringt. Der Rahmen ist der Grund, warum der Ausbruch überhaupt gelesen wird.
Was ich daraus mitnehme
Regeln brechen heißt für mich, genug von ihnen verstanden zu haben um zu sehen welche gerade im Weg steht. Das ist Arbeit und kein Reflex. Deshalb will ich beides, das Raster und den Bruch.